KW 35: Diplomaten beraten über „Killerroboter“, Mastercard und Microsoft machen Städte smart, VW investiert in vernetzte Autos

Herzlich willkommen.

NACHRICHTEN

Diplomaten beraten über „Killerroboter“: Es klingt nach Science-Fiction, und ist dennoch in vielen Ländern bereits in Arbeit: Autonome Kriegsmaschinen, die eigenständig Ziele wählen und töten. In Genf beraten sich nun Vertreter aus über 75 Ländern zu einem möglichen Verbot der selbstständigen Waffensysteme. Darunter fallen etwa Drohnen, unbemannte U-Boote oder auch Roboter, die dank künstlicher Intelligenz gelernt haben, wie ihr Ziel aussieht, und ohne menschliche Einwirkung darauf schießen. Automatische Waffen unterscheiden sich dadurch, dass Menschen das Ziel zuvor exakt bestimmen und einprogrammieren müssen. In Genf gehen die Meinungen zu einem Verbot entsprechender Systeme auseinander. Einige wiegeln ab, Kritiker fordern, dass die Entscheidung über Leben und Tot nie einer Maschine übertragen werden darf. Dem stimmt auch die deutsche Bundesregierung zu, die gemeinsam mit Frankreich einen Verhaltenskodex vorgeschlagen hatte, der jedoch nicht völkerrechtlich bindend wäre. Über 2.000 Wissenschaftler aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz haben sich bereits freiwillig verpflichtet, nicht an der Entwicklung entsprechender Systeme mitzuwirken.
spiegel.de, fr.de

Mastercard und Microsoft machen Städte smart: Liverpool City ist ein Vorort der australischen Millionenstadt Sydney, und verzeichnet ein Bevölkerungswachstum von bis zu 100 Personen pro Woche. Nun hat die Stadt eine Kooperation mit Mastercard geschlossen, die auf dem „City Possible“-Programm des Unternehmens beruht. Das Ziel der Initiative ist es, „urbane Probleme wie die Zukunft des Transportwesens, die ökologische Entwicklung und die digitale Inklusion über verbundene und digitale Lösungen zu managen“. Für Liverpool sollen sogenannte „Best Practices“ entwickelt werden, laut Bürgermeister Wendy Waller arbeite man daran, „eine dynamische Stadt mit einer 18 Stunden-Wirtschaft zu werden“. Im Rahmen von „City Possible“ arbeitet Mastercard auch mit Microsoft zusammen, die beiden Konzerne wollen zwei Pilot-Städte bauen, in denen unter anderem auch Smart-City-Lösungen getestet werden sollen. Darunter fallen etwa autonomen Transportmittel, die Steuerung und Abrechnung von Strom und Wasser, und die Verwaltung von Tourismus-Maßnahmen. Dafür sollen Microsofts Analyse- und Cloud-Technologie, sowie die Zahlungssysteme von Mastercard zum Einsatz kommen.
mobilegeeks.de

VW investiert in vernetzte Autos: VW will seine digitale Entwicklung voran treiben und dafür bis 2025 rund 3,5 Milliarden Euro investieren. Das kündigte der Vertriebschef der Marke Volkswagen, Jürgen Stackmann, an. Ziel sei es, Autos zu „digitalen Endgeräten auf Rädern“ zu machen. Dafür setzt der Konzern unter anderem auf die Plattform „Volkswagen We“, auf der die Fahrzeuge vernetzt werden sollen. Zudem will VW unter dem Namen „We Share“ in das stationsungebundene Carsharing einsteigen. Ab Frühling 2019 soll zunächst in Berlin eine Flotte von 1.500 E-Golf zur Kurzzeit-Miete zur Verfügung stehen, weitere Fahrzeug-Modelle und andere Städte sollen zeitnah folgen. „Volkswagen We“ soll dabei ausschließlich Elektro-Fahrzeuge anbieten.
spiegel.de

Facebook arbeitet an smarten Lautsprecher: Nachdem das Projekt nach dem Datenskandal um Cambridge Analytica pausiert wurde, arbeitet Facebook nun offenbar wieder an seiner eigenen Spracherkennungs-Software für einen hauseigenen Smart Speaker. Eine Informantin des Nachrichtenportals Techcrunch hat entsprechende Hinweise im Code der Facebook-App entdeckt. Die Sprachassistentin namens „Aloha“ könne demnach zur Steuerung des angekündigten Portal-Lautsprechers dienen. Von dem Unternehmen gibt es noch keine offizielle Stellungnahme zu dem Projekt, intern soll CEO Mark Zuckerberg aber bereits im Frühling verkündet haben, dass Portal nicht unbedingt Gewinn einbringen müsse. Wichtiger sei es ihm, das Verhalten der Facebook-User zu ändern. Sie sollen den vernetzten Lautsprecher ebenso häufig verwenden wie ihr Smartphone.
handelsblatt.com, wired.de

Tesla rammt erneut einen Feuerwehrwagen: Im kalifornischen San Jose hat ein betrunkener Fahrer eines Tesla Model S einen Feuerwehrwagen gerammt und dabei sich und seine Beifahrerin leicht verletzt. Der Mann behauptet, dass die Autopilot-Funktion des Autos aktiviert war, dies konnte die Polizei bislang nicht bestätigen. Bei dem Feature handelt es sich auch lediglich um ein erweitertes Assistenzsystem, der Fahrer muss trotzdem die Hände am Lenkrad belassen und die Fahrt überwachen. Selbst bei deaktivierter Fahrunterstützung verfügt der Wagen allerdings um ein Notfall-Bremssystem, welches den Crash hätte verhindern müssen. Besonders kurios: Es handelt sich in diesem Jahr bereits um den dritten Vorfall, bei dem ein angeblich vom Autopiloten gesteuerter Tesla in ein Feuerwehrauto rast. Das Unternehmen will nun die Daten des betroffenen Autos auswerten.
wired.de

Smart Home: Bang & Olufsen kündigt vernetzte Luxus-Lautsprecher an intelligentes-haus.de
Österreich: Catalysts steigt in das IoT-Startup Ondewo ein futurezone.at
Security: Trend Micro startet „Zero Day Initiative“ für IoT-Geräte funkschau.de
„WiZ Connected Lights“: Smarte Beleuchtung dank IoT-Integration cloudmagazin.com

ZAHL DER WOCHE

Im Rahmen der internationalen Verbraucher-Befragung „IoT Consumer Confidence Report: Challenges for Enterprise Cloud Monitoring on the Horizon“ kam heraus, dass zwei Drittel der IoT-Nutzer mit Performance-Problemen ihrer Geräte zu kämpfen haben.
computerwoche.de

HINTERGRUND

TÜV warnt vor Datensammlern im Smart Home: Der TÜV Rheinland rät Käufern von vernetzten Haushaltsgeräten dazu, zunächst die Datenschutzrichtlinien des Herstellers zu überprüfen. Möglicherweise verwenden diese ihre Geräte nämlich dazu, Informationen über die Nutzer, ihre Nutzgewohnheiten und ihren Haushalt zu sammeln. Diese seien nicht nur für gezielte Werbung, sondern auch für die Produktentwicklung im Unternehmen wertvoll. Zudem sollten Kunden überprüfen, ob Daten nur für den internen Gebrauch gesammelt oder an Drittunternehmen weitergegeben werden. Die TÜV-Experten unterscheiden bei den Geräten zwischen sogenannten geschlossenen, oder proprietären, Systemen, die als „relativ unkritisch“ eingestuft werden. Bedenklicher werde es bei offenen Systemen, die etwa die Vernetzung unterschiedlicher Geräte verschiedener Hersteller und eine Steuerung per Sprachassistenten oder einer Cloud-Lösung ermöglichen.
t-online.de

Der Bias der Algorithmen: Bald werden wir nicht mehr in einer Demokratie leben, sondern „in einer Algokratie, in der die Algorithmen entscheiden“. Davor warnte kürzlich der Chairman der britischen Finanzaufsicht FCA, Charles Randell, in einer Rede. Man müsse deshalb das Risiko in den Griff bekommen, dass dieses System „soziale Ausgrenzung verstärkt und den Zugang zu Finanzdienstleistungen erschwert“. Randell bezieht sich dabei unter anderem auf einen Versuch des Fernsehsenders BBC, bei dem zwei Anwärtern für Autoversicherungen vom Algorithmus der Versicherung unterschiedliche Tarife angeboten wurden: „Muhammad“ sollte bis zu 360 Pfundmehr bezahlen als „John“, obwohl die angegebenen Daten abgesehen vom Namen identisch waren. Immer mehr Versicherungen und Finanzdienstleister setzen entsprechende KI-Systeme ein, um beispielsweise die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden zu bestimmen. Doch mit dem technischen Fortschritt kommt auch die Gefahr der sogenannten statistischen Vorurteile, die dazu führen können dass ganze Bevölkerungsgruppen diskriminiert werden. Wie die Forschung mit diesen ethischen Problemen umgeht, und was passiert wenn gar die Algorithmen selbst neue Algorithmen entwickeln, können Sie hier nachlesen: handelsblatt.com

PROJEKT DER WOCHE

Apple patentiert noninvasiven Glucosesensor: Aus einem neuen Patentantrag von Apple geht hervor, dass das Unternehmen offenbar an einer noninvasiven Methode zur Blutzuckermessung arbeitet. Wie bereits beim Herzfrequenzmesser soll auch die Bestimmung des Blutzuckerwertes optisch funktionieren. Zwar könne das Verfahren noch nicht zuverlässig zwischen verschiedenen Substanzen unterscheiden oder Fluktuationen erkennen, für die Blutzuckermessung sei es aber exakt genug. Künftig könnte der Sensor in die Apple Watch integriert werden und Diabetikern so ermöglichen, ihre Glucosemessungen ohne Lanzette vorzunehmen. Ob und wann die Technologie aber tatsächlich praktisch umgesetzt werden kann, steht noch nicht fest.
heise.de

ZITAT

„Man kann das mit Hygienemaßnahmen vergleichen. Wir haben gelernt, dass man sich die Hände wäscht oder die Zähne putzt. Das sind Routinemaßnahmen, die man setzt, damit man im gesundheitlichen Sinn sicher ist. Mit der Informationstechnologie ist es ähnlich. Es muss gewisse Sicherheits-Hygienemaßnahmen geben.“
Der Technikchef von Microsoft Österreich, Harald Leitenmüller, befürchtet, dass es in Zukunft öfter zu sogenannten Ransomware-Attacken auf IoT-Anwendungen kommen wird. Er plädiert für mehr Cyber-Sicherheit – sowohl von den Herstellern, wie auch von den Nutzern.
futurezone.at

DISCONNECTED

IBM patentiert Lieferdrohne für Kaffee: Britischen Medienberichten zufolge hat der Technologiekonzern IBM Patent für eine Drohne eingereicht, die müde Büroangestellte mit Kaffee versorgt. Das Besondere: Das Gerät kann mit Technologie zum Erfassen von Blutdruck, Pupillenerweiterung und Gesichtsausdruck erweitert werden. Damit erkennt es automatisch, wer schläfrig ist und einen Koffein-Kick benötigt. Der Kaffee könne entweder direkt in die Tasse des Betreffenden gegossen werden oder die Drohne lässt gefüllte Tassen in versiegelten Taschen an einer Schnur herab. Auch eine Bestellung per Gestik soll möglich sein. Ob und wann IBM das Konzept tatsächlich umsetzen möchte, ist nicht bekannt.
futurezone.at